3. Januar 2017

Backlog Origins - Wie alles begann

Hausgemachte Probleme hat man in unserer Gesellschaft viele. Über eines meiner größten würde ich gerne ein paar Worte verlieren: Meinen schandhaften Stapel nicht durchgespielter Videospiele, allgemein auch als Gaming Backlog bekannt, der zu seinen Hochzeiten schon an die 300er Marke kam. Natürlich gibt es da schlimmere Exemplare, aber eine dreistellige Ziffer ist bereits ausreichend, um einem die Sicht aufs Ende zu verwehren. Doch wie konnte es soweit kommen?

Backlog Beginnings


Einen Backlog hatte ich nicht immer. Als Kind und Jugendlicher war meine Sammlung wesentlich überschaubarer. In dieser Lebensphase hat man natürlich meist gar nicht die Mittel, sich im Übermaß mit Spielen einzudecken. Davon abgesehen war ich früher viel wählerischer und habe fast ausschließlich Rollenspiele wie Lufia oder Action Adventures wie Landstalker gezockt, und gelegentlich ausgewählte Actiontitel wie Dino Crisis oder Metal Gear Solid. So manche Gurke war natürlich auch dabei (etwa das absolut schreckliche Das Imperium schlägt zurück für den Gameboy), aber die wurden meist auch rasch wieder zu Geld gemacht. Auch sonst wurde regelmäßig verkauft, damals hauptsächlich natürlich, um irgendwie wieder an Kohle zu kommen. So wechselten unter anderem Trip World und Mega Man V für den Gameboy den Besitzer, originalverpackt, zu einer Zeit, in der keins von beiden die heutzutage üblichen dreistelligen Beträge erzielt hätte (autsch).

Landstalker (Sega Mega Drive)

Als junger Erwachsener befand ich mich in einer bis dato einzigartigen Situation: Ich hatte tatsächlich so gut wie nichts zu zocken. Gegen Ende der PlayStation Ära hatte ich die meisten relevanten Titel durch und anschließend eine Weile das Interesse an Videospielen verloren. Als es mich dann wieder packte holte ich einiges nach, wobei sich meine Entdeckungen auf die klassischen Phantasy Stars und ein paar verpasste PlayStation Perlen wie Suikoden II oder Front Mission 3 beschränkten. Auch vom versäumten Beginn des PlayStation 2 Zeitalters nahm ich zunächst nur Final Fantasy X und die Silent Hill Fortsetzungen auf einer gebraucht angeschafften Konsole in Angriff.

In meinem ersten Studienjahr beschränkten sich meine Gewohnheiten dann tatsächlich nur noch auf Final Fantasy VIII Reruns (auch wenn ich dem Teil wohlgesonnen bin war das natürlich ein mehr als armseliger Zustand). Ich war damals in einer Lage, die ich heute bei einigen Gamer-Kollegen beobachte: Die Wartezeit auf das nächste große Ding, für das man am ersten Tag jeden Geldbetrag rauszuhauen gewillt ist, weil man sonst nichts Spannendes mehr zu zocken hat. In meinem Fall war das Final Fantasy XII. Leider hat es sich für mich als die erste große Enttäuschung der Reihe herausgestellt. Ich war so darüber frustriert, dass es umgehend verkauft wurde und mein Interesse an Videospielen fürs Erste dahin war.

A Link to the Past


Dabei ist es natürlich nicht lange geblieben: Durch Zufall entdeckte ich den Irate Gamer und kurz darauf den Angry Video Game Nerd. Auch wenn beide natürlich in erster Linie Videos über Retrospiele machen, die sich die meisten nie freiwillig antun würden, hat das gezeigte Material bei mir Interesse am Thema 8-Bit geweckt. Das NES hatte ich damals nur bei einem Freund mitbekommen, ein Sega Master System hatte ich später mal leihweise antesten können. Ansonsten hatten meine Erfahrungen mit Videospielen erst richtig mit Super Nintendo und Sega Mega Drive angefangen, weil ich zu der Zeit überhaupt eigene Konsolen haben durfte.

Faxanadu, mein einziges NES-Spiel in OVP (NES)

Nachdem ich mir einige Zeit Verrisse von NES-Spielen auf YouTube angesehen hatte, entdeckte ich Nintendos legendäre 8-Bit Konsole bald in einem Laden für gebrauchte Spiele. Gute 20 Jahre nach der Veröffentlichung hatte ich jetzt also auch ein NES. Bei der Konsole waren keine Spiele dabei, also ging's natürlich gleich ins Netz, um zu recherchieren und zu stöbern. Mit Racketboy stieß ich rasch auf eine wahre Fundgrube an Informationen und hatte gleich die wichtigsten, günstigsten und verkanntesten Retrospiele auf dem Radar. Damals konnte man noch für relativ kleines Geld haufenweise Module über ebay oder Flohmärkte beziehen, weshalb mein neuer Retro Backlog rasch wuchs.

Backlog Rising


Mein zunächst für 8-Bit entflammtes Sammelfieber weitete sich bald auf meine anderen Systeme aus, neben Spielen wurden auch Konsolen wie das Super Nintendo oder der GameCube erneut, oder erstmalig, angeschafft. Kein Flohmarkt und keine ebay Auktion war mehr vor mir sicher. Nebenbei erweiterte sich auch mein Horizont, was Genres anbelangt, weshalb es auch Shoot 'em ups und Prügelspiele in meine Sammlung schafften. Das ließ meinen Backlogzähler erstmals in ungeahnte Höhen schießen.

Eine meiner Flohmarktausbeuten

Aber warum eigentlich? Ein Grund war sicher das Bedürfnis, Dinge nachzuholen, die man verpasst hat. Phasenweise wurde auch einfach aus Frust eingekauft. Dann hat man als Erwachsener natürlich oft eher etwas Geld für solche Sachen übrig. Und es ist heutzutage auch viel einfacher, von bestimmten Spielen zu erfahren. Ganz früher kannte man ja nur das, was man im Laden gesehen hat, worüber auf dem Schulhof geredet wurde oder was man in einer der damaligen Zeitschriften gelesen hat. Später kamen Fanseiten und GameFAQs zu meinen Quellen. Mittlerweile findet man haufenweise Seiten, die aus allen obskuren Ecken der Vergangenheit des Mediums Spiele hervorkramen und vorstellen. Ich will zum Beispiel gar nicht wissen, wie oft ich schon wegen irgendeinem Artikel auf Hardcore Gaming 101 zu ebay gerannt bin.


But wait, there is more


Irgendwann kam ich dann doch noch wieder in der Moderne an: Als mein Röhrenfernseher seinen Geist aufgegeben hatte, zog ich naiverweise los, um ein Ersatzexemplar zu besorgen. Natürlich gab es mittlerweile nur noch HD-Fernseher im Angebot, also musste fortan ein hochauflösender TV für die alten Spiele herhalten. Eines Tages brachte ein Kumpel eine Xbox 360 mit, auf der wir Mirror's Edge gespielt haben. Die Optik hat mir so gut gefallen, dass ich dann doch eine Konsole haben wollte, die die HD-Kapazitäten meines Fernsehers ausnutzt, und kaufte mir eine PlayStation 3. Die war mehr als nur eine weitere Quelle neuer Backloganwärter: Mit dem PlayStation Store entdeckte ich erstmals digitale Spiele für mich.

Shadowrun Returns (Steam)

Davon angefixt dauerte es natürlich nicht lange, bis ich auch Accounts für Steam und Konsorten erstellt hatte. Damit ging es mit dem Backlog bergab (beziehungsweise bergauf), da solche digitalen Stores zum stundenlangen Stöbern einladen, man nicht mal das Haus verlassen oder auf ein Päckchen warten muss, um das Spiel seiner Wahl in die Finger zu bekommen, und einem die regelmäßigen Sales zumindest das Gefühl geben, nicht viel Geld dafür auszugeben. Bald hatte ich einen PC Backlog, was früher nie der Fall gewesen ist, zumal ich eigentlich viel lieber auf der Couch als am Schreibtisch zocke. Damit waren bei mir alle Quellen für den konstanten Zufluss neuer Spiele etabliert, die seitdem natürlich munter weitersprudeln.

Soviel zur Entstehung meines Backlogs, die vermutlich relativ typisch ist und dem einen oder anderen Horter bekannt vorkommen sollte. Habt ihr auch einen Backlog? Falls ja, wie kam er zustande?