25. Februar 2017

Shin Megami Tensei: Devil Survivor 2

Shin Megami Tensei: Devil Survivor 2 kam erst am Ende der Lebensspanne des Nintendo DS in Europa heraus und ist damit auch das letzte Rollenspiel für das System in der PAL-Region. Die hiesige Veröffentlichung durch Publisher Ghostlight stand dabei aufgrund zweifelhafter Nachfrage längere Zeit auf der Kippe. Der Nintendo DS hatte seine besten Tage hinter sich, auf dem 3DS gab es bereits das Remake des Vorgängers Overclocked, und auch die Devil Survivor 2 3DS Neuauflage Break Record war zumindest in Japan bereits ein Thema. Von daher war eine Mindestmenge an vorbestellten Einheiten nötig, um die Veröffentlichung möglich zu machen. Schlussendlich fanden sich 1800 verlorene Seelen zusammen, um den Titel doch noch zu uns zu bringen.


Ähnlich dramatisch wie die Geschichte um die Veröffentlichung des Spiels ist auch seine Handlung: Namenloser Hauptcharakter und seine Freunde Io und Daichi zerbrechen sich den Kopf um ihre Aufnahmeprüfungen für die Uni, allerdings wäre das hier kein Shin Megami Tensei, wenn das ihre einzige Sorge bleiben würde. Eine merkwürdige Website mit dem Namen Nicaea versendet Mails zu Videos, die den bevorstehenden Tod der eigenen Freunde zeigen soll. Prompt bekommen die drei selbst eine Nachricht, die ihr vorzeitiges Ende ankündigt, das zum Glück doch noch abgewendet werden kann. Doch just dann bricht die Dämonenapokalypse aus. Das Trio, das kurioserweise durch mobile Apps Dämonen beschwören, ersteigern und fusionieren kann, wird in der Folge in einen unerwarteten Kampf um das Schicksal der Menschheit geworfen.


Fans der japanischen Unterhaltungsindustrie sollten bei der Story einige Anknüpfungspunkte finden. Das makabere Mysterium um Nicaea greift typische Elemente japanischer Horrorfilme auf, während die apokalyptische Geschichte und bizarren Bosse an den Kult-Anime Neon Genesis Evangeleon erinnern. Auch sonst weiß die Handlung zu unterhalten und bleibt stets spannend. Neben den Hauptmissionen bietet das Spiel die Möglichkeit, Zeit mit den anderen Charakteren zu verbringen, was neben Gameplay Boni auch Einblicke in ihre Hintergründe und einige dramatische oder amüsante Szenen liefert. Von der Aufmachung her wird der gewohnte Shin Megami Tensei Flair geboten: Schickes Charakter Artwork, skurilles Monsterdesign und coole Musik.

Vorbestellerversion mit goldenem Devil Survivor 2 Schriftzug

Devil Survivor ist der Strategie-RPG Ableger der Shin Megami Tensei Reihe, und auch in Teil 2 geht es taktisch zu. In den Hauptmissionen bewegen wir Dreier-Teams, bestehend aus Anführer und zwei dämonischen Mitstreitern, feldweise durch die Szenarien. Während des eigenen Zuges kann jedes Teammitglied einen Skill oder Zauber verwenden, etwa zur Heilung oder zur Vergrößerung der Reichweite. Sobald man ein gegnerisches Team angreift, wechselt das Spiel in eine typische RPG Kampfansicht, wo man sich Runde um Runde Attacken um die Ohren haut. Wer den anderen kritisch trifft, elementare Schwächen ausnutzt oder selbst Angriffe abprallen lässt, wird mit Extra-Angriffen belohnt. Jeden Kampf sollte man sich zudem entscheiden, ob man sich auf den gegnerischen Anführer konzentriert, nach dessen Fall auch das gesamte Team besiegt ist, oder man erst die Flügelmänner erledigt, was länger dauert, aber auch mehr Erfahrung bringt. Die Missionen sind alles andere als stupide, Sieg oder Niederlage hängen immer maßgeblich davon ab, wie geschickt man agiert.


Natürlich muss man nicht alle Missionen mit den gleichen Dämonen und Fähigkeiten bestreiten. Im Auktionshaus kann man mit anderen Monsterzähmern um neue Kreaturen feilschen, und diese in der Cathedral of Shadows auch miteinander fusionieren lassen, um noch mächtigere Verbündete zu schaffen. Neue Fähigkeiten für die menschlichen Charaktere bekommt man per "Skill Crack": Dabei wählt man vor dem Kampf einen Gegner mit dem gewünschten Skill und einen Charakter, der ihn "cracken" soll. Sobald das Team des Charakters diesen Gegner besiegt, wird der neue Skill verfügbar.

Als Dank legte Ghostlight der Vorbestellversion dieses Mini-Poster bei

Damit haben wir eigentlich alle Grundzutaten für ein sehr gelungenes Strategie RPG: Taktische Kämpfe, vielfältige Ausbaumöglichkeiten der eigenen Party, sowie eine interessante Geschichte mit packender Atmosphäre. Leider wird die Freude daran schon recht früh durch frustrierende und zum Ende hin immer fieser werdende Spitzen des Schwierigkeitsgrades getrübt. Selten reicht in diesen Fällen eine neue Taktik aus, um sie zu überwinden, häufiger muss man die ein bis zwei verfügbaren freien Missionen zum Grinden von Erfahrungspunkten und Geld nutzen, um den richtigen Level und die passenden Dämonen mit in die Schlacht nehmen zu können. Gegen Ende hin wird allerdings auch dieser Ausweg gedrosselt, da Gegner unter dem eigenen Level kaum Erfahrungspunkte abwerfen und man auch keine stärkeren Widersacher mehr serviert bekommt.



Besonders übel wird es dabei beim Endgame, durch das man nur mit vielen Online-Guides, YouTube Videos und Süßigkeiten kommt. Ärgerlich auch, dass frühere Entscheidungen Einfluss auf die finalen Herausforderungen haben: So kann man es versäumen, wichtige Skills zu cracken, oder den einen oder anderen potenziellen Charakter vor dem permanenten Tod zu bewahren. Skills lassen sich immerhin noch im Nachhinein holen, wenn auch mühselig. Auch kann man noch grinden, allerdings über lange (aber notwendige) Strecken nur mit mickrigen Erfahrungspunkten. Wer den Abspann zu Gesicht bekommen will muss also einiges an Zeit und Nerven investieren. Nach dem ersten Durchspielen, das gute 40 Stunden in Anspruch nehmen kann, schaltet man sich das New Game+ frei, bei dem man diverse Erleichterungen freischalten kann, durch die erneute Anläufe etwas vereinfacht werden. Mit mehreren abzweigenden Pfaden, neuen Bossen und Herausforderungen gibt es dabei noch einiges zu tun, sofern man sich noch längere Zeit mit dem Spiel beschäftigen will.


Insgesamt ist Shin Megami Tensei: Devil Survivor 2 ein gut gemachtes, aber bockschweres Strategie RPG mit spannender Geschichte und stimmiger, düsterer Atmosphäre. Aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades sollte man jedoch eine gehörige Portion Frusttoleranz und Sitzfleisch mitbringen, um das Spiel bis zum Ende durchzuhalten.

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