18. September 2017

Meine Top 5 Fehlkäufe: Platz 3

Jeder Videospieler kennt und fürchtet sie: Fehlkäufe. Sie stehlen uns Geld, Zeit und Platz im Regal beziehungsweise auf der Festplatte. Nachfolgend habe ich meine denkwürdigsten Fehlgriffe dokumentiert:


3. Nobi Nobi Boy


Noby Noby Boy habe ich blind gekauft, da es günstig und vom Macher von Katamari war. Als ich versucht habe es zu spielen wurde mir schnell klar, dass Noby Noby Boy für meine Begriffe eigentlich gar kein richtiges Spiel ist: Man kann den Hauptcharakter Boy dehnen und wieder zusammenziehen, in kleinen zufallsgenerierten Leveln Hühner, Leute und japanische Schriftzeichen essen und sich in die Unendlichkeit stürzen lassen, und das war es im Grunde genommen auch schon. Ein wirkliches Spielziel gibt es nicht. Als Metagame dient das “Sammeln” von Metern an Boys Ausdehnung, die jeder Spieler an Girl abgeben kann, die dadurch immer länger wird und sich durchs Weltall dehnt, um neue Planeten zu erreichen. Darüber hinaus gibt es ein Dutzend obskure Trophäen. Und letztendlich natürlich die Ziele, die man sich selbst setzt. So kann man versuchen, alle Lebewesen in einem Level zu fressen, alle Objekte von der Weltkante zu stoßen, oder 1000 Meter lang zu werden, ohne abzustürzen. Das Problem dabei ist nur: Man kann es genauso gut auch einfach lassen.

Girl ist das vermutlich längste Mädchen in einem Videospiel

Die Sinnlosigkeit von Noby Noby Boy wäre für sich genommen gar nicht so dramatisch, wenn die Steuerung nicht so katastrophal haklig wäre. Es gibt also nichts zu erreichen, und das geht dann auch noch schwer von der Hand. Immerhin hat Girl global schon genug Meilen akkumuliert, dass sie momentan bis zum Uranus reicht, genug interessierte Spieler gibt es also, genauso wie Kritiken, die Noby Noby Boy als Kunstwerk feiern. Ich wünschte, ich könnte deren Faszination teilen. Der Höhepunkt meiner Erfahrung mit dem "Spiel" war das Treffen mit den Prinzen aus Katamari, wobei das auch eher ein bittersüßer Moment war, der mich daran erinnert hat, was für ein Schwachsinn das hier eigentlich im Vergleich zu den genialen Katamari Teilen ist.

Boy schlängelt sich durch ein Haus - warum auch nicht?

Abschließend noch ein kurzes Video, das ganz gut zusammenfasst, was einen in Noby Noby Boy erwartet:


4. Persona Q

11. September 2017

Gastbeitrag: Parasite Eve Filmkritik

Im Westen wird man den Namen Parasite Eve wahrscheinlich zuerst mit den bekannten Videospielen von Square Enix assoziieren. Tatsächlich basieren diese Spiele jedoch auf einem Roman von Hideaki Sena gleichen Namens, der seinerzeit in Japan zu einem Bestseller wurde. 1997, ein Jahr vor der Veröffentlichung des gleichnamigen Videospiels, wurde die Essenz des Romans durch Masayuki Ochiai verfilmt.


Die Geschichte dreht sich um Toshiaki, einen Wissenschaftler, der die in unseren Zellen befindlichen Mitochondrien studiert. Seiner Theorie zufolge waren diese früher einmal eigenständige Lebensformen, deren Hauptenergie jedoch im Laufe der Zeit an den Zellkern abgegeben wurde. Diese Lebensformen sind Parasiten, also nicht im Sinne von Lebewesen, die unseren Körper befallen und in Symbiose mit uns existieren, sondern als unerwartete hochentwickelte Lebensform, die schon seit Anbeginn der Menschheit in uns lebte.


Als Toshiakis Frau Kiyomi bei einem Autounfall tödlich verletzt wird, diagnostizieren die Ärzte sie als gehirntot. Ein irreversibler Zustand und ein Schock für den Wissenschaftler. Toshiaki, der sich nun um die Liebe seines Lebens betrogen sieht, willigt ein, ihre Nieren einem kranken Mädchen zu spenden. Die Spende knüpft er jedoch an die Bedingung, dass er im Tausch dafür die Leber von Kiyomi vom Arzt erhält. Gezwungen von der Dringlichkeit der Umstände willigt der Arzt ein, nicht wissend, welche Brut er damit dem versessenen Wissenschaftler überlässt. Dieser forschte nämlich schon länger mit Kulturen von Mitochondrien und versuchte, diese durch Extrahierung der Zellen aus Rattenlebern anzubauen. Besessen von der Vorstellung, seine Frau könnte wieder am Leben sein, kultiviert er die Mitochondrien Kiyomis. Seine Kreationen machen sich schließlich selbständig und manifestieren sich als Mitochondria Eve. Eve versucht nun, die Weltherrschaft den Mitochondrien zu überlassen und die menschliche Rasse, derer die Einzeller seit Millionen von Jahren untertan waren, zu vernichten.


Die Geschichte stellt zwar keine neue Referenz dar, ist aber gerade in Hinsicht auf die Wissenschaft und die reale Forschung sehr interessant. So basiert der Vortrag Toshiakis am Anfang des Films teilweise auf wahren wissenschaftlichen Erkenntnissen. Im Gegensatz zum Videospiel, in dem sowohl Tiere als auch Menschen durch die Präsenz von Eve zu horrenden Kreaturen mutieren, wird dies im Film nicht visualisiert. Eve ist jedoch auch in der Lage, Mitochondrien anderer Leute zu beeinflussen, so dass diese durch Überproduktion an Energie ihre Wirte von innen verbrennen lassen. Der Film, der sich thematisch am Roman orientiert, kann durchaus überzeugen. Auf subtile Art wird dem Zuschauer das Schicksal des gescheiterten Wissenschaftlers vor Augen geführt. Ist die erste Hälfte des Films noch recht langatmig, so entfaltet sich die Geschichte im zweiten Teil sehr rapide.


Auch wenn der Film den Anspruch auf einen Horrorfilm im Sinne von The Ring erhebt, ist es mehr eine Science-Fiction Thriller-Mär. Die Akteure spielen sehr überzeugend. Besonders hervorzuheben ist hier Riona Hazuki, die eine Doppelrolle im Film spielt. Einerseits kann sie als liebenswerte Ehefrau überzeugen, andererseits spielt sie die Personifikation der Mitochondria Eve, und verleiht ihr den wunderbar kühlen Charakter eines gewissenlosen Individuums.


Die Musik des Films ist vergleichbar mit den Tracks aus dem Videospiel, jedoch weniger actionlastig. Pianosolos und herrlich morbide Stücke untermalen das skurrile Szenario des Films. Für die Komposition zeigt sich kein anderer als Altmeister Joe Hisaishi verantwortlich, der schon für die meisten Filme aus dem Hause Ghibli (Prinzessin Mononoke, Porco Rosso, Chihiros Reise ins Zauberland) den Soundtrack schrieb.


Gerüchten aus dem Jahr 1999 zufolge sicherte sich Madonna die Rechte an den amerikanischen Filmrechten von Parasite Eve und würde selbst die Rolle Ayas, der Polizistin aus den beiden Videospielteilen, spielen. Die Gerüchte erwiesen sich damals als falsch und es bleibt fraglich, ob es in Zukunft ein amerikanisches Remake geben wird. Erfreulicherweise wurde das japanische Original zwei Jahre später, 2001, auf DVD in Amerika veröffentlicht, ohne Synchronisation, aber mit englischen Untertiteln.


Parasite Eve ist ein interessanter und gut inszenierter Film, der durch schauspielerisches Können der Darsteller und die passende Musik überzeugt. Fans des Videospiels dürfen ihn nicht missen, obgleich er andere Schwerpunkte legt.

beigetragen von kyotoben

4. September 2017

Retro News: Juni 1992

Das Super Nintendo kommt nach Deutschland!


In Frankfurt wird das Super Nintendo vorgestellt, Nintendos neueste Konsole. Zugegen sind mit Nintendo of Europe Präsident Shigeru Ota und Nintendo of America Präsident Minoru Arakawa einige Firmengrößen. Vor Ort anspielen lassen sich Simcity, Super Soccer, Super R-TypeF-Zero, Super Tennis und Super Mario World, das der Konsole beiliegen wird.

Und ich war nicht dabei.

Das neue Gerät wartet mit folgenden technischen Eckdaten auf:
  • CPU: 16-Bit
  • Speicher: 128 KB
  • Auflösung: 512 x 448
  • Farben: 32.768
Die neue Technik erlaubt unter anderem die Darstellung von bis zu 128 Sprites, die bis zu 128 x 128 Pixel groß sein können, weiches Scrolling, dreidimensional wirkende Rennstrecken, transparentes Wasser und Mosaik-Effekte. Der neue Controller verfügt neben den bekannten A- und B-Knöpfen über zusätzliche L- und R-Tasten sowie X- und Y-Knöpfe, die je nach Spiel verschiedene Sonderfunktionen haben.

"Die Zukunft hat begonnen" - dabei ist erst 1992.


Zelda III wird vorgestellt


In The Legend of Zelda: A Link to the Past, so der volle Titel des dritten Zelda-Teils, muss Link Zelda und sechs weitere Prinzessinnen aus den Fängen des bösen Zauberers Agahnim befreien. Dank dem Super Nintendo konnte die Grafik erheblich verbessert werden, und erstmals in der Reihe gibt es komplett deutsche Bildschirmtexte.

Zelda für das Super Nintendo? Mein Körper ist bereit!


Neues für NES und Game Boy


Zum Glück gibt es auch neues Futter für Nintendos bisherige Systeme, um sich die Wartezeit auf das Super Nintendo zu verkürzen:

In StarTropics für das NES schlüpfen wir in die Rolle des fünfzehnjährigen Baseball-Fans Mike, der sich auf einer tropischen Insel auf die Suche nach seinem Onkel Dr. J begibt. Statt dem typischen Schwert stellt sich unser moderner Recke ausgerechnet mit einem Jojo den in unterirdischen Höhlen lauernden Monstern.

StarTropics - Sicher keins der hübschesten NES-Titel.

Samus Aran steht derweil ihre zweite Mission bevor, diesmal auf dem Game Boy: In Metroid II folgt sie einem Notruf vom Planeten SR388. Dort sollte ein Forschungsteam eigentlich feststellen, ob sich die außerirdischen Metroid-Parasiten eingenistet haben. Schon bald nach ihrer Ankunft trifft Samus auf eine dieser Kreaturen, woraufhin ihr Ziel klar ist: Alle Metroids zu vernichten! Dabei trifft sie erstmals auf weitere Entwicklungsstadien der feindlichen Lebensform, wie dem feuerspeienden Zeta Metroid oder der furchterregenden Metroid Queen.

Metroid II aus einer Zeit vor dem 3DS-Remake.


Quelle


Club Nintendo, Ausgabe 3, Juni 1992, 4. Jahrgang.

Aus heutiger Sicht


Ich wusste vorher gar nicht, dass das Super Nintendo zu seiner Zeit in meiner Heimatstadt vorgestellt worden ist. Wäre ich doch damals bloß nicht erst sechs Jahre alt gewesen, die Veranstaltung hätte ich im Nachhinein natürlich mehr als gerne besucht.

Die technischen Eckdaten hätten mich damals mit Sicherheit beeindruckt, immerhin hatte ich früher keinen Schimmer, was eine CPU ist oder was die Bitanzahl eigentlich für eine Bedeutung hat. Als Programmierer erschaudert mich heute hingegen die Vorstellung, mit 128 Kilobyte Arbeitsspeicher entwickeln zu müssen, wobei ich natürlich nicht weiß, wieviel Platz Sprites und andere Assets im damaligen Format gefressen haben.

Das Club Nintendo Magazin gilt nicht unbedingt als strahlendes Beispiel für objektiven Journalismus, allerdings wäre es schön gewesen, wenn für die vorgestellte Konsole und die neuen Spiele wenigstens Erscheinungsdaten angegeben wären. Laut Wikipedia erschien das Super Nintendo in Europa im April 1992, in Deutschland allerdings warum auch immer erst im August desselben Jahres. Entsprechend kann man die Berichte aus der Juli-Ausgabe des Club Nintendo Magazins als echtes Preview einstufen.

Die in Frankfurt anspielbaren Titel müssen zum späteren August-Launch des Super Nintendos bereits im Handel erhältlich gewesen sein, abgesehen von Simcity, das erst im September erschien. Im gleichen Monat sollte A Link to the Past die deutschen Nintendofans beglücken. Wobei ich eigentlich froh bin, die immerhin drei Monate lange Wartezeit zwischen Ankündigung und Veröffentlichung von Zelda III verpasst zu haben.

Das im Mai veröffentlichte Metroid II war beim Erscheinen des Magazins bereits erhältlich. Beim StarTropics Bericht handelt es sich um eine Vorschau, das NES-Spiel erschien erst im August. Würde mich nicht wundern, wenn StarTropics für viele Kinder ein Trostpflaster war, die sich die neue Nintendo-Konsole noch nicht leisten konnten. Auffallend ist, dass der Bericht in keiner Weise auf die frappierende Ähnlichkeit zwischen StarTropics und The Legend of Zelda eingeht.