11. September 2017

Gastbeitrag: Parasite Eve Filmkritik

Im Westen wird man den Namen Parasite Eve wahrscheinlich zuerst mit den bekannten Videospielen von Square Enix assoziieren. Tatsächlich basieren diese Spiele jedoch auf einem Roman von Hideaki Sena gleichen Namens, der seinerzeit in Japan zu einem Bestseller wurde. 1997, ein Jahr vor der Veröffentlichung des gleichnamigen Videospiels, wurde die Essenz des Romans durch Masayuki Ochiai verfilmt.


Die Geschichte dreht sich um Toshiaki, einen Wissenschaftler, der die in unseren Zellen befindlichen Mitochondrien studiert. Seiner Theorie zufolge waren diese früher einmal eigenständige Lebensformen, deren Hauptenergie jedoch im Laufe der Zeit an den Zellkern abgegeben wurde. Diese Lebensformen sind Parasiten, also nicht im Sinne von Lebewesen, die unseren Körper befallen und in Symbiose mit uns existieren, sondern als unerwartete hochentwickelte Lebensform, die schon seit Anbeginn der Menschheit in uns lebte.


Als Toshiakis Frau Kiyomi bei einem Autounfall tödlich verletzt wird, diagnostizieren die Ärzte sie als gehirntot. Ein irreversibler Zustand und ein Schock für den Wissenschaftler. Toshiaki, der sich nun um die Liebe seines Lebens betrogen sieht, willigt ein, ihre Nieren einem kranken Mädchen zu spenden. Die Spende knüpft er jedoch an die Bedingung, dass er im Tausch dafür die Leber von Kiyomi vom Arzt erhält. Gezwungen von der Dringlichkeit der Umstände willigt der Arzt ein, nicht wissend, welche Brut er damit dem versessenen Wissenschaftler überlässt. Dieser forschte nämlich schon länger mit Kulturen von Mitochondrien und versuchte, diese durch Extrahierung der Zellen aus Rattenlebern anzubauen. Besessen von der Vorstellung, seine Frau könnte wieder am Leben sein, kultiviert er die Mitochondrien Kiyomis. Seine Kreationen machen sich schließlich selbständig und manifestieren sich als Mitochondria Eve. Eve versucht nun, die Weltherrschaft den Mitochondrien zu überlassen und die menschliche Rasse, derer die Einzeller seit Millionen von Jahren untertan waren, zu vernichten.


Die Geschichte stellt zwar keine neue Referenz dar, ist aber gerade in Hinsicht auf die Wissenschaft und die reale Forschung sehr interessant. So basiert der Vortrag Toshiakis am Anfang des Films teilweise auf wahren wissenschaftlichen Erkenntnissen. Im Gegensatz zum Videospiel, in dem sowohl Tiere als auch Menschen durch die Präsenz von Eve zu horrenden Kreaturen mutieren, wird dies im Film nicht visualisiert. Eve ist jedoch auch in der Lage, Mitochondrien anderer Leute zu beeinflussen, so dass diese durch Überproduktion an Energie ihre Wirte von innen verbrennen lassen. Der Film, der sich thematisch am Roman orientiert, kann durchaus überzeugen. Auf subtile Art wird dem Zuschauer das Schicksal des gescheiterten Wissenschaftlers vor Augen geführt. Ist die erste Hälfte des Films noch recht langatmig, so entfaltet sich die Geschichte im zweiten Teil sehr rapide.


Auch wenn der Film den Anspruch auf einen Horrorfilm im Sinne von The Ring erhebt, ist es mehr eine Science-Fiction Thriller-Mär. Die Akteure spielen sehr überzeugend. Besonders hervorzuheben ist hier Riona Hazuki, die eine Doppelrolle im Film spielt. Einerseits kann sie als liebenswerte Ehefrau überzeugen, andererseits spielt sie die Personifikation der Mitochondria Eve, und verleiht ihr den wunderbar kühlen Charakter eines gewissenlosen Individuums.


Die Musik des Films ist vergleichbar mit den Tracks aus dem Videospiel, jedoch weniger actionlastig. Pianosolos und herrlich morbide Stücke untermalen das skurrile Szenario des Films. Für die Komposition zeigt sich kein anderer als Altmeister Joe Hisaishi verantwortlich, der schon für die meisten Filme aus dem Hause Ghibli (Prinzessin Mononoke, Porco Rosso, Chihiros Reise ins Zauberland) den Soundtrack schrieb.


Gerüchten aus dem Jahr 1999 zufolge sicherte sich Madonna die Rechte an den amerikanischen Filmrechten von Parasite Eve und würde selbst die Rolle Ayas, der Polizistin aus den beiden Videospielteilen, spielen. Die Gerüchte erwiesen sich damals als falsch und es bleibt fraglich, ob es in Zukunft ein amerikanisches Remake geben wird. Erfreulicherweise wurde das japanische Original zwei Jahre später, 2001, auf DVD in Amerika veröffentlicht, ohne Synchronisation, aber mit englischen Untertiteln.


Parasite Eve ist ein interessanter und gut inszenierter Film, der durch schauspielerisches Können der Darsteller und die passende Musik überzeugt. Fans des Videospiels dürfen ihn nicht missen, obgleich er andere Schwerpunkte legt.

beigetragen von kyotoben

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