15. Oktober 2017

Parasite Eve Buchrezension


Im Westen ist der Name Parasite Eve hauptsächlich dank der von Squaresoft entwickelten PlayStation Spiele bekannt. Die Hybriden aus Survival Horror und Rollenspiel sind was den Inhalt anbelangt jedoch keine reine Eigenkreation von Square. Sie basieren auf dem von Dr. Hideaki Sena geschriebenen Roman Parasaito Ibu, der 1995 erschien, als Sena noch Student der Pharmakologie war. Unter dem Titel Parasite Eve ist auch eine englische Fassung erhältlich, ins Deutsche wurde das Buch allerdings nie übersetzt. Die Spiele sind keine direkte Umsetzung, sondern lediglich von der Grundidee des Romans inspiriert. Dementsprechend wird man in den Seiten von Senas Werk weder von mutierten Rattenhorden noch von blonden Polizistinnen lesen.

Die Handlung dreht sich um Dr. Nagashima, der seine Frau Kiyomi bei einem mysteriösen Autounfall verliert. Während ihre Niere der jungen Dialysepatientin Mariko gespendet wird, schafft der Wissenschaftler Nagashima einen Teil von Kiyomis Leberzellen in sein Labor, besessen von der Idee, seine geliebte Frau in irgendeiner Form weiterleben lassen zu können. Weder Nagashima noch Mariko ahnen zu der Zeit, dass Kiyomis Zellen etwas Unheilvolles innewohnt. Die Spannungskurve steigt typisch für japanischen Horror zunächst eher gemächlich an. Wir verfolgen die Geschehnisse um Nagashima und Mariko und lernen auch etwas über ihre Vergangenheit. Für stetes Unbehagen ist dank Themen wie Dialyse, Organtransplantationen und Zellenexperimenten gesorgt. Richtig aufreibend wird es ab der zweiten Hälfte des Romans, wo das Geschehen rasch makabere und sexuell äußerst verstörende Ausmaße annimmt, die einen bis zum Finale verfolgen.

Was den gelungenen Horror Roman von der Masse abhebt ist sein wissenschaftlicher Fokus, durch den man viele Eindrücke aus dem Bereich der Medizin und genetischen Forschung gewinnt. Zum Glück kann man der Handlung trotz vieler Fachbegriffe gut folgen. Während in den Spielen nicht so wirklich klar wird, was Mitochondrien eigentlich genau sind und wie und warum sie zu einer Bedrohung werden, kann man diesen Hintergrund im Roman wesentlich besser nachvollziehen. Die Grundidee ist ganz interessant, mal etwas anderes als Viren, die Menschen zu Zombies machen, aber trotz wissenschaftlicher Basis auch nichts Hyperintellektuelles.

Parasite Eve ist ein packender und leicht verstörender, vielleicht etwas verkopfter Roman, der sowohl Fans der Videospiele als auch Horrorfans im Allgemeinen zu empfehlen ist.

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