11. November 2017

Meine Top 5 Fehlkäufe: Platz 1

Jeder Videospieler kennt und fürchtet sie: Fehlkäufe. Sie stehlen uns Geld, Zeit und Platz im Regal beziehungsweise auf der Festplatte. Nachfolgend habe ich meine denkwürdigsten Fehlgriffe dokumentiert:


1. Final Fantasy Type-0 HD


Kommen wir endlich zu Platz 1 der Spiele, die ich mir mit Sicherheit kein zweites Mal kaufen würde: Final Fantasy Type-0 HD. Früher hatte mich der Titel gehyped, da es mit seinen Magiestudenten, Kampfmaschinen und seiner begehbaren Weltkarte zumindest wie die älteren Final Fantasy Teile ausgesehen hat. Die anderen Aspekte des Spiels unterscheiden sich allerdings davon, und das aus meiner Sicht nicht unbedingt auf vorteilhafte Weise.

Wenn das Spiel nur so cool wie dieser Roboter wäre.

Final Fantasy Type-0 HD ist ein missionsbasiertes Action RPG. In den Missionen schnetzelt man sich mit einem Squad aus drei Kadetten durch Horden an Monstern, Robotern und Soldaten. Dabei steuert man eine Figur selbst, die anderen übernimmt der Computer, das allerdings nicht immer geschickt. So kann es schnell passieren, dass die beiden Mitstreiter weggeholzt werden. Immerhin werden sie durch generische Verstärkung ersetzt, was dem Aufleveln der 14-köpfigen Stamm-Mannschaft allerdings wenig zuträglich ist. Jeder Hauptcharakter verfügt über Attacken und Zauber, die man verschiedenen Knöpfen zuweisen und darüber abrufen kann. Gegner lassen sich automatisch anvisieren, wenn sie im Sichtfeld sind, etwas Fummelei mit der Kamera ist allerdings trotzdem notwendig. Verteidigen kann man sich entweder durch Errichten von magischen Wällen und Schutzzaubern, oder wie in Actionspielen üblich durch Blocken oder Ausweichen. Insgesamt ist das Gameplay ähnlich geraten wie das von Square Enix’ anderem Actiontitel Dirge of Cerberus: Nämlich allenfalls durchschnittlich.

Wie in den meisten Final Fantasys treffen wir auch hier auf Behemoths.

Zwischen den Missionen gilt es, eine bestimmte Zeitspanne zu überbrücken, bis der nächste "Mission Day" ansteht. Zeit vergeht dabei nur durch Ausführen bestimmter Aktionen, etwa Ansprechen von NPCs oder Verlassen der Basis, um Nebenaufgaben zu erfüllen. Beides sind keine besonders spannenden Tätigkeiten: Die Gespräche mit den NPCs sind in der Regel uninteressant, die Quests bestehen meistens daraus, die geforderte Anzahl an Monstern plattgehaut zu bekommen. Immerhin lässt sich die Zeit auch sofort zum Mission Day vorspulen. Da Final Fantasy Type-0 HD im Grunde ein Rollenspiel ist kommt man dennoch nicht drumherum, seine Party zwischen den Missionen aufzubauen, was bei 14 Charakteren in ziemlich viel Gefuddel ausartet. Das fand ich schon bei Final Fantasy VI nicht besonders prickelnd, aber da hat man die vielen Charaktere erst gegen Ende, und muss eher selten mehr als die aktuelle Party ausstatten. In Type-0 hingegen hat man den ganzen Roster von Anfang an am Hals und sollte, wie ich gelesen habe, auch alle Charaktere gleichmäßig entwickeln, da sie scheinbar alle noch mal benötigt werden.

Schnee und Magitek - Final Fantasy VI lässt grüßen.

Ein anderes Problem ist, dass viele Fähigkeiten, die es zu lernen und aufzustufen gibt, Kampfaktionen sind, deren Nützlichkeit schwer abzuschätzen ist. Das Lernen ist nur an Speicherpunkten in den Städten und der Basis möglich, man müsste also erst draußen in einen Zufallskampf rennen oder die nächste Mission beginnen, um die Fähigkeiten austesten zu können. Aber man kommt kaum dazu, jeden Charakter so ausgiebig zu spielen, oder zu beobachten, ob und wie effektiv der Computer die Fähigkeiten einsetzt. Nicht mal in Actionspielen mit einem einzelnen Charakter wie in Bayonetta oder Devil May Cry komme ich dazu, einen Großteil der verfügbaren Attacken zu lernen und auszuprobieren. Wie das also mit 14 Charakteren funktionieren soll, ist mir schleierhaft.

Charakter 10 von 14: Das Mädchen mit der Brille und der Haarspange.

Allgemein wirkt das Type-0 Spielsystem wie ein heilloses Durcheinander. Von Anfang an wird man mit Subsystemen zugeballert: Man kann magisches Zeug von Gegnern sammeln und in verschiedene Attribute von Zaubersprüchen investieren, mitten in Missionen Herausforderungen antreten, Chocobos züchten, Arenakämpfe ausfechten, das aktuelle Team opfern, um eine Kreatur zu beschwören, die sich kontrollieren und skillen lässt, Tags in Kampfgebieten sammeln und Schlachtpunkte verdienen, die man in bessere Gegenstände eintauschen kann. Und dann gibt es noch irgendwelche Missionen, die auf der Weltkarte stattfinden und Pseudo-Echtzeitstrategie-Elemente beinhalten. Die Menüführung besteht aus einem Haufen Optionen, die nur an Speicherpunkten verfügbar sind, während das überall verfügbare Spielmenü nur eine leere Hülse für einen Haufen sinnloser Tabs ist. Chaotisch verhält sich auch der Schwierigkeitsgrad, der in der Standardeinstellung schon ziemlich deftig ist. Und das bei einem Spiel, das sich vornehmlich an grobmotorige JRPGler richtet. Nichts gegen eine Herausforderung, aber wenn man schon beim ersten Boss mehrmals scheitert und im Zuge der ersten Nebenaufgaben in einer Höhle ständig Charaktere sterben ist das definitiv zu viel des Guten. Selbst Castlevania 1 auf dem NES fängt einfach an. Sicher ist das Spiel schaffbar, wenn man etwas übt, und sich mit dem Sammelsurium an Mechaniken auseinandersetzt, aber es ist absolut keine Schande, stattdessen gleich auf den einfachsten Schwierigkeitsgrad zu wechseln.

Odin ist auch mit von der Partie - nachdem man selbige geopfert hat.

Leider gibt es in Type-0 HD auch keine großartige Geschichte, die über die Schwächen im Gameplay hinwegsehen lassen könnte: Vier Nationen leben im Gleichgewicht, bis eine von ihnen beschließt, einen Krieg gegen die drei anderen anzuzetteln. Ein klassisches Szenario, in dessen Mittelpunkt sich ein konfliktreiches Drama entfalten könnte. Aber mit 14 im Grunde austauschbaren Hauptdarstellern ist das kaum drin, da helfen auch Blutspritzer und sterbende Chocobos wenig. Stattdessen haben wir Cutscenes, in denen entweder trocken wie in einer historischen Dokumentation beschrieben wird, welche Nation wann welches Gebiet einnimmt, oder das vom Fabula Nova Crystallis Universum leidlich bekannte Geschwurbel über l’Cie Götter.

Magie gegen Technik.

Positiv hervorheben kann ich eigentlich nur die Präsentation, die wenig Anlass zur Klage gibt: Für einen aufgemotzten PSP-Port sieht Type-0 HD ganz ordentlich aus, und auch der pompöse Soundtrack weiß zu überzeugen. Das bringt allerdings wenig, wenn weder Geschichte noch Gameplay irgendeinen spaßigen Fluss erzeugen. Nach acht Stunden, die ich nicht mehr wiederbekomme, habe ich das Spiel aufgegeben, und wünschte, ich hätte es schon früher sein gelassen. Kombiniert mit einem Anschaffungspreis von immerhin vierzig Euro definitiv mein größter Fehlgriff.


2. Final Fantasy: The 4 Heroes of Light

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