3. Februar 2018

Allein im Phantasy Star Universum

Das Phänomen von MMORPGs mit Abomodell ist komplett an mir vorbeigegangen. In den Anfangstagen hätte ich mir die Beiträge als Schüler nicht leisten können. Inzwischen wäre das kein Problem mehr, aber bei den ganzen Spielen, die sich inzwischen bei mir anhäufen, würde es sich nicht lohnen, regelmäßig für etwas zu zahlen, was man zeitlich dann kaum nutzen kann. Aber das eigentliche Problem ist, dass der Gedanke, online mit irgendwelchen unbekannten Menschen auf der ganzen Welt zusammenzuspielen, bei mir kaum Anklang findet. Wer verbirgt sich hinter den ganzen Spieleravataren in der Lobby? Worüber reden die da gerade im Chat? Was tue ich, wenn mich jemand dumm anmacht? Was soll ich machen, wenn ich mitten in einem Raid dringend aufs Klo muss? Lange halte ich es nie aus, wenn ich mich doch probeweise mal irgendwo eingeloggt habe. Vermutlich leider ich an irgendeiner Form von MMORPG Sozialphobie.

Man muss halt auch nicht alles spielen. In ein Dilemma kommt man nur, wenn eine Lieblingsreihe Ausflüge ins MMO Genre macht. Den Komplettisten in mir ärgert es, eine Reihe wie Final Fantasy wohl nie vollständig durchspielen zu können, da die nur online spielbaren Teile XI und XIV fernab meiner Gewohnheiten sind. Eine schöne Reihe wie Phantasy Star wird fast ausschließlich online weitergeführt. Oder? Zu meinem Glück waren Phantasy Star Online und Universe Vorreiter der Konsolen-MMORPGs. Onlinekapazitäten waren in Zeiten von Dreamcast und PlayStation 2 noch keine Selbstverständlichkeit. Vermutlich gab es deshalb auch bei all diesen Spielen einen dedizierten Offlinemodus. Genau das Richtige für Online-Banausen wie mich!

Der Story Modus. Was anderes geht einfach nicht an mich.

So kam ich eines Tages in den Genuss des Phantasy Star Universe Storymodus. Meine Erwartungen waren nicht groß: Charaktererstellung, Intro, und ab dann eine abgespeckte, simulierte Version des Onlinespiels. Es kam dann aber doch ganz anders. Mit Ethan Waber wird mir ein ausgearbeiteter, völlig überstylter Protagonist in einem halb bauchfreien Outfit vorgesetzt, mit dem ich direkt ins Abenteuer stürze. Mit vielen Cutscenes und vertonten Dialogen unterscheidet sich die Inszenierung von Phantasy Star Universe kaum von der anderer Rollenspiele ohne Onlinekomponente.

Eine Massive Multiplayer Online Cutscene!

Und doch scheint die Onlinephilosophie des Spieldesigns hin und wieder durch und sorgt bei einem Unkundigen wie mir für Überraschungsmomente: Um vom Spiel aus zum Titelbildschirm zu gelangen muss ich mich über das Menü "ausloggen". Mal kurz Pause drücken um sich etwas zu essen zu holen ist schlecht, wenn gerade ein zeitbasierter Test läuft oder Gegner in der Nähe sind - klar, online kann ja auch nicht alles stehen und liegen bleiben wenn einer der zigtausend Spieler sich eine Tütensuppe machen will. Meine Panik, als meine beiden computergesteuerten Mitstreiter den Geist aufgegeben haben, ohne dass ich irgendwelche Gegenstände zur Wiederbelebung dabei gehabt hätte, war auch vollkommen unbegründet: Nach einer Weile spawnten beide einfach ins Leben zurück!

Start ruft das Menü auf. Aber die Zeit läuft weiter!

Seit meinem simulierten "Online" Erlebnis bleiben offene Fragen. Ob mich meine Faszination mit dem Phantasy Star Universum den Mechaniken von MMORPGs annähern könnte? Was passiert mit einem Onlinespiel, wenn es irgendwann zwangsweise offline geht? Die offiziellen Phantasy Star Universe Server sind inzwischen alle heruntergefahren, die Alternative sind in der Entwicklung befindliche privaten Server, bei denen nicht absehbar ist, ob sie das Originalprodukt je komplett emulieren können werden. Bekomme ich je die Möglichkeit, zu erfahren, welches Erlebnis der Onlinemodus davon einst bot? Wie sollen zukünftige Generationen eingestellte MMORPGs analysieren und bewerten, wenn man von der einstigen Spielerfahrung heutzutage allenfalls Zeitzeugenberichte finden kann?

Meine Gefährten bleiben wohl für immer KI-gesteuert.

Die größte Frage jedoch ist: Was werde ich machen, wenn Phantasy Star Online 2 jemals bei uns startet? Einen Offlinemodus wird es dort sicher nicht geben, dafür aber Phantasy Star Flair satt und eine niedrige Einstiegsschwelle dank Free2Play Modell. Vielleicht wird es dann doch langsam mal Zeit, online mit irgendwelchen unbekannten Menschen auf der ganzen Welt zusammenzuspielen. Doch bis es soweit ist bleibe ich fürs Erste allein im Phantasy Star Universum.