17. Dezember 2017

Gastbeitrag: The 4 Heroes of Light

Final Fantasy: The 4 Heroes of Light überraschte die RPG Fangemeinde im dritten Quartal 2009. Die ersten Informationen und Bilder des neuen Square Enix Spiels auf dem Nintendo DS schockten mit übertrieben niedlicher Grafik und erinnerten gleichzeitig an die frühen Anfänge der weltweit wohl bekanntesten Rollenspiel-Serie. Nachdem Square Enix zwei beziehungsweise drei Jahre zuvor zwei famose Final Fantasy Klassiker komplett in 3D neu aufgelegt hatte, namentlich Final Fantasy III sowie Final Fantasy IV, schien es nur logisch, dass man sich mit Final Fantasy: The 4 Heroes of Light an einen weiteren Klassiker wagte. In der Gerüchteküche munkelte es von einem Remake des ersten Final Fantasy Spiels, zeitgemäß serviert für den Nintendo DS. Letztendlich ist Final Fantasy: The 4 Heroes of Light weder ein komplettes Remake noch ein komplett neues Spiel.

Beim Starten des Spiels wird man aufgefordert, seine Helden zu benennen oder gegebenenfalls die Voreinstellungen zu nutzen. Unmittelbar danach geht es los: Der Spieler wacht als junger Krieger im Haus seiner Heimatstadt auf und erhält gleich zu Beginn den Auftrag, die Prinzessin des Königreichs aus den Händen der Hexe des Nordens zu befreien. Dieser sehr typische Anfang ist das erste von vielen Kapiteln und dient in erster Linie dazu, die vier Hauptcharaktere einzuführen: Brand, ein junger Bursche; Jusqua, der ewige Zweite; Aire, die etwas verwöhnte Prinzessin des Dorfes; sowie Unita, eine junge Kriegerin und gleichzeitig Aires Bodyguard. Im Laufe des Geschehens gibt es noch eine Reihe Nebencharaktere, die von Zeit zu Zeit der Party beitreten. Beim Spielen von The 4 Heroes of Light fällt einem nach kurzer Zeit auf, dass es wenig Kontinuität gibt, was die Party an sich betrifft. Haben sich Brand, Jusqua, Unita und Arie am Ende des ersten Kapitels gefunden, so trennen sich ihre Wege gleich wieder. Da die Dialoge im Spiel recht minimal gehalten sind darf der Spieler oft selbst die Beweggründe der Charaktere interpretieren. Weiterhin erschwert dieser Umstand das frühzeitige Training einer ausgewogenen, voll bestückten Party.


Die sehr einfach gehaltene und im Genrevergleich wenig detaillierte Story des Spiels bringt eine weitere Schwierigkeit mit sich. Oft weiß der Spieler nicht so recht, wie er als nächstes vorgehen soll oder was man erkunden kann. In diesem Fall hilft es nur, auf mühsame Art die Unterhaltung mit den etlichen NPCs zu suchen um eventuell einen kleinen Tipp über das Notwendige zu erhalten. Diese Taktik erinnert ein wenig an die Anfangszeiten des Genres, als JRPGs noch in den Kinderschuhen steckten. Final Fantasy: The 4 Heroes of Light besitzt einen recht linearen Spielaufbau. Neben dem fakultativen Dungeons und Bossen entlang des roten Spielfadens gibt es jedoch eine Reihe optionaler Extras zu erkundigen. So gibt es zusätzliche Ausrüstungen, die durch Minispiele, diverse Shops und in zufallsgenerierten Dungeons zu finden sind.


Am Anfang des Spiels wird man mit dem Kampfsystem von Final Fantasy: The 4 Heroes of Light konfrontiert, was sich als äußert gelungen, aber an manchen Stellen auch als sehr einschränkend herausstellt. Zunächst jedoch die positiven Aspekte. Das System basiert auf sogenannten APs (Ability Points), wovon jedem der Charaktere maximal fünf zur Verfügung stehen. Verschiedene Aktionen wie Angriff, Zauber, oder Gegenstand Benutzen verbrauchen jeweils ein bis fünf dieser APs. Möchte man zum Beispiel auf einen wirkungsvolleren Zauber hinarbeiten, kann man Punkte auch sparen, so dass man in der nächsten Runde einen zusätzlichen AP zur Verfügung hat. Dies hat zur Folge, dass man von Zeit zu Zeit durchaus sehr strategisch an verschiedene Gegner herangehen muss. Bei Gegnern der leichteren Art kann man die Aktionen der Charaktere in einen Auto-Modus schalten, so dass reine Level-Phasen wesentlich vereinfacht werden.


Der verblüffenden Einfachheit des Kampfsystems steht ein Aspekt gegenüber, der besonders erfahrene Spieler in der Taktik einschränkt: Alle Kämpfe im Spiel basieren auf einem Auto-Ziel System, das heißt der Spieler kann den Gegner, den er angreifen möchte, nicht selbst auswählen. Was bei einem Gegner keine große Rolle spielt kann bei einem Kampf mit mehreren Gegnern zu einem fehlenden Strategieelement werden. Gleichermaßen können gruppenunterstützende Zaubersprüche sowie Gegenstände nicht auf einzelne Charaktere angewendet werden. Stattdessen wählt ein komplexer Algorithmus im Spiel das Ziel aus. Beim Anwenden von Heilsprüchen wird demzufolge stets der Charakter mit den niedrigsten HP geheilt. Neben dem begrenzten Einfluss, den man während des Kampfes auf die Gegnerwahl ausüben kann, ist weiterhin das Inventar begrenzt. So können maximal lediglich 15 Gegenstände - Ausrüstung eingeschlossen - pro Charakter mit in das Abenteuer genommen werden. Weniger dringend gebrauchtes Rüstzeug kann zwar in Truhen abgelegt werden, zu denen man in jeder Stadt Zugang hat, schränkt jedoch die Möglichkeiten, auf Situationen in verschiedenen Gegenden zu reagieren, stark ein.


Traditionell für die Final Fantasy Reihe gibt es auch in The 4 Heroes of Light etliche Jobs, die man im Laufe des Spiels von diversen Kristallen erhält und seinen Helden zuweisen kann. Im Spiel spricht man daher von sogenannten Kronen ("Crowns"), derer jeder Charakter nur eine gleichzeitig tragen kann. Die Kronen stehen für die altbekannten Professionen im Spiel und werden auch in Form von Hüten der Helden sichtbar auf dem Bildschirm visualisiert. Derer gibt es unzählige im Spiel, von den bekannteren Jobs wie Weiß- oder Schwarzmagier, Dieb oder Barde bis hin zu eher seltenen Jobs wie dem Taoist, dem Helden oder der Schneiderin. Jeder dieser Jobs kommt mit einer Anzahl an speziellen Techniken, eine davon von Anfang an präsent, die anderen drei freischaltbar mit Hilfe von Juwelen, die man im Laufe des Spiels verteilt findet. Weiterhin beeinflusst das Tragen einer bestimmten Krone bestimmte Werte eines Charakters. So haben Charaktere, welche die Weißmagierkrone tragen, ein Handicap in ihrer physischen Angriffskraft, genießen dafür aber den Vorteil stärkerer Werte für Magie. Zusätzlich kann der Weißmagier gleichnamige Magie mit reduziertem AP-Verbrauch anwenden. In dieser Hinsicht lässt sich ein weiteres strategisches Element von 4 Heroes of Light erkennen: Die Kronen limitieren den Spieler nicht auf verfügbare Zauber und ermöglichen somit ein Höchstmaß an freier Gestaltung für jeden Charakter.

Die visuelle Präsentation ist das hervorstechendste Element am gesamten Spiel. Wirkt Final Fantasy: The 4 Heroes of Light, zumindest oberflächlich sehr simpel aufgrund des Gameplays, beeindruckt die Fülle an Details, mit der die Umgebungen dargestellt werden. Besonders die Städte sind sehr liebevoll modelliert. Gepaart mit der hinreißenden Atmosphäre des Spiels offenbart sich eine der größten Stärken des Spiels: Die Konvertierung eines old-school RPGs auf eine aktuelle Spieleplattform ohne dabei das entscheidende Element zu zerstören, was so ein Spiel ausmacht: das Retro-Gefühl. Der Soundtrack des Spiels ist typisch für die alten Tage des Genres. Die arrangierten Melodien wirken sehr gut ausgewählt für die einzelnen Szenen und stimmen sehr zufriedenstellend. Nach längerer Zeit laufen sie dennoch Gefahr, wie eine monotone Schleife im Hintergrund abzulaufen.


Final Fantasy: The 4 Heroes of Light überrascht das Genre nach längerer Zeit mit neuen Ideen und althergebrachten Weisheiten gleichermaßen. Alle Aspekte des Spiels sind einfach gehalten und erleichtern so den Zugang für Genre-Einsteiger. Erfahrene RPG Spieler finden hingegen ein stark simplifiziertes RPG vor, das jedoch nach einiger Zeit mit unerwarteter Vielfalt aufwartet. Wer sich mit dem Auto-Ziel System anfreunden kann wird sich sehr gut mit dem Spiel identifizieren können, nicht zuletzt aufgrund der wunderbar in Szene gesetzten Atmosphäre. Wie der japanische Name Hikari no 4 Senshi: Final Fantasy Gaiden impliziert ist Final Fantasy: The 4 Heroes of Light eine Art Nachtrag (japanisch "gaiden"), ja eine liebevolle Hommage, an das frühe Ur-Final Fantasy Spiel. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

beigetragen von kyotoben