7. Januar 2018

Gastbeitrag: Chocobo’s Dungeon 2

Was macht eine Firma, die ein beliebtes Maskottchen im Rahmen einer größeren Spielreihe ins Leben gerufen hat? Natürlich, man spendiert ihm seine eigenen Spiele. Chocobos sollten jedem Rollenspieler ein Begriff sein. In fast jedem Final Fantasy Teil haben sie ihren Auftritt. Mal kann man sie züchten und in Rennen schicken, mal dienen sie der Fortbewegung, und mal sind sie der beste Freund des Menschen. In Chocobo’s Dungeon 2 hat der gelbe Vogel seinen eigenen Kopf, und macht sich auf die Suche nach Schätzen, die in seltsamen Höhlen versteckt sein sollen. Chocobo’s Dungeon 2 ist, wie man am Namen schon erkennen kann, ein Sequel. Den ersten Teil kennen nur die wenigsten hierzulande, da Chocobo no fushigina danjon leider nur in Japan erschien. Der zweite Teil schaffte es jedoch über den großen Teich und erschien zumindest in Nordamerika.


Die Story klingt wenig originell: Wir begegnen Chocobo und Mog, wie sie vor einem Dungeon stehen, woraufhin Mog erzählt, er wäre ein toller Schatzsucher und die beiden müssen unbedingt diesen tollen Dungeon erforschen. Der Charakter des Mog wird hierbei, wie in den meisten anderen Chocobo-Spielen auch, als ziemlich angeberisch und selbstverliebt dargestellt. In Wahrheit würde er jedoch ohne Chocobos Hilfe nicht einmal ein halb so guter Schatzsucher sein. Chocobo zögert zunächst, lässt sich dann aber doch überreden. Und so machen sich beide auf den Weg, tief in das geheimnisvolle Labyrinth. Einige Etagen weiter drinnen stoßen beide auf einen Schalter. Mog betätigt ihn sofort, ohne zu wissen, was passiert. Daraufhin wird Chocobo in hohem Bogen aus dem Dungeon katapultiert und landet bewusstlos auf dem Boden. Zum Glück wird Chocobo von der freundlichen Weißmagierin Shiroma gesund gepflegt. Gemeinsam machen sie sich nun auf, um Mog im Dungeon zu finden. Im Laufe des Spiels entwickelt sich dabei eine mittelmäßige Geschichte, die immerhin eine kleine Überraschung am Ende parat hält.


Zwar artikuliert sich unser kleiner gelber Freund eloquent wie ein Pokémon, dennoch scheint er sich prächtig in der Welt zurechtzufinden und findet auch sehr bald neue Freunde. Ein ungeschriebenes Gesetz, was bis jetzt in fast allen Chocobo Spielen Einzug hielt, ist die Besetzung. Neben Chocobo kann man unter anderem Mog, Cid oder Shiroma steuern. Interessant ist hierbei die für Rollenspiele nicht gerade typische Zwei-Spieler Option, bei der man sich mit Freunden auf die Reise begeben kann. Der zweite Charakter kann dabei seine spezielle Fähigkeit einsetzen. So positioniert Cid geschickt Minen in den Dungeons und Shiroma hilft Chocobo oft mit ihren Heilkünsten aus der Patsche. Einziges Manko: Der zweite Spieler kann keine Zaubersprüche wirken. Weitere bekannte Gesichter, wie der Schwarzmagier, Golem oder Bahamut, König der Drachen, treten in nicht spielbarer Form im Spiel auf.


Das Gameplay des Spiels ist untypisch für ein Rollenspiel, weckt aber Interesse. Ähnlich wie in Diablo, steuert man Chocobo und einen seiner Freunde durch ein komplett zufallsgeneriertes Dungeon, kämpft sich in Hack and Slay-Manier durch die Gegend, bis man schließlich den Durchgang findet, der einen Level tiefer führt. Das Gameplay ist eine Mischung aus Echtzeit und Rundenbasiert. Nur wenn man Chocobo bewegt, führen auch die Gegner eine Aktion aus. Kämpfe werden direkt auf dem Feld ausgetragen. So ist es auch möglich, einen schwereren Gegner geschickt zu umgehen und eventuell vorher ein paar leichtere Gegner zu besiegen. Neben normalen Angriffen, die Chocobo mit seinen Fußkrallen durchführt, kann man auch einige interessante Zaubersprüche anwenden. Dazu liest man aus Büchern, die man auf dem Weg durch den Dungeon gefunden hat. Wendet man einen Zauberspruch oft genug an, so steigt sein Level und somit auch seine Wirkungskraft. Am Anfang ist die Steuerung, gerade während eines Kampfes, recht ungewohnt, aber man kommt trotzdem schnell rein. Anfangs beschränken sich die meisten Kämpfe, von einigen Ausnahmen wie Bosskämpfen einmal abgesehen, auf stures Hack and Slay. Erst im weiteren Spielverlauf wird ein gewisses Maß an taktischer Überlegung unentbehrlich.


Auf dem Weg durch die verschiedenen Dungeons wird Chocobo in viele Fallen treten, die ihn für einige Runden schlafen lassen, die Steuerung invertieren, oder ihm Lebenspunkte abziehen. In den Kerkern finden Chocobo und seine Freunde allerlei nützliche Sachen. Dazu gehören neue Sättel, Krallen für Chocobo, Nüsse zum Verzehr, sowie Tags zum Speichern und zur Benutzung der Dungeon-Karte. Besondere Gegenstände sind zum Beispiel Summon-Federn, mit denen man bekannte Schutzgeister der Final Fantasy Reihe herbeirufen kann, wie Sylph oder Titan. An bestimmten Stellen im Spiel hat man die Möglichkeit, seine gefundenen Sättel und Klauen zu kombinieren, um sie so stärker zu machen. Dieses System ist so komplex, dass man immer wieder etwas Neues entdecken kann. Die Möglichkeiten sind vielfältig, was Chocobo’s Dungeon 2 vor allem für Spieler interessant macht, die gerne eigene Ausrüstung herstellen und auf diesem Weg viel herumprobieren. So ist man etwa in der Lage, seine eigene ultimative Waffe zu basteln, mit den gewünschten Werten und Fähigkeiten. Bestimmte Waffen ermöglichen es sogar, mit der Umgebung zu interagieren. So gibt es Waffen, mit denen man durch Wände graben kann. Bei übermäßiger Benutzung der Ausrüstung wird diese irgendwann unausweichlich kaputt gehen. In einigen Fällen kann man sie dann wieder reparieren, aber sie können auch verflucht werden, so dass für den Träger negative Effekte entstehen.


Die Grafik des Spiels ist für PlayStation-Verhältnisse sehr gut. Sprites und Hintergründe sind liebevoll gestaltet. Bloß die Umgebung in den Dungeons wirkt nach kurzer Zeit ein wenig eintönig. Ein großer Pluspunkt des Spiels sind die FMV-Sequenzen. Schon an der Verpackung kann man erkennen, dass das Spiel einen gewissen Cuteness-Faktor besitzt. So sind auch die filmreifen Zwischensequenzen sehr süß gemacht, was einem Motivationsschub gleichkommt, da man schnell die nächste Szene sehen möchte. Die Welt von Chocobo’s Dungeon 2 ist nicht sehr groß. Es gibt neben Höhlen auch andere Orte zu erforschen, wie eine Unterwasserlandschaft, ein Wald oder ein Leuchtturm. Die durchschnittliche Spieldauer beträgt, je nach Spielweise, 20-40 Stunden. Leider gibt es kaum Motivation, das Spiel noch einmal durchzuspielen.


Chocobo’s Dungeon 2 erweckt zunächst den Eindruck, für ein jüngeres Publikum angedacht zu sein. Wer die Muße hat, sich tiefer damit zu beschäftigen, wird jedoch merken, dass es durchaus ein gutes Spiel ist, das zwar von den klassischen Vorstellungen eines Rollenspiels abweicht, aber wo wären wir heute ohne Veränderungen und Innovationen? Fans der Final Fantasy Reihe sollten auf jeden Fall einmal einen Blick darauf werfen. Spieler, die ein möglichst unkompliziertes Spiel wollen und sich schwer in ungewohnte Spielprinzipien reinfinden können, sollten den Titel vielleicht erst mal anspielen.

beigetragen von kyotoben