26. März 2018

Meine Top 10 Wii Shop Channel Titel

Heute Abend ist es soweit, der erste Schritt in Richtung endgültiger Schließung des Wii Shop Channel wird vollzogen: Der Dienst, über den man Guthaben für den Shop aufladen kann, wird eingestellt. Käufe sowie Downloads von bereits erworbenen Spielen werden dann noch bis Anfang 2019 möglich sein, doch dann soll der Wii Shop Channel endgültig dicht gemacht werden. Zu dem Anlass liste ich hier meine persönliche Top 10 Wii Shop Channel Titel.

10. Final Fantasy



Das originale Final Fantasy wurde über die Virtual Console erstmals in Europa veröffentlicht, 20 Jahre nachdem das NES Modul in den USA erschienen ist. Während es als Fan der Reihe sicher interessant ist, deren Ursprünge zu erkunden, werden heutzutage vermutlich wenige an den langwierigen Kämpfen und dem grindlastigen Gameplay ihre Freude haben.

9. Zombie Panic in Wonderland



Die Wiimote eignete sich perfekt für Lightgun artige Shooter, und Zombie Panic in Wonderland ist hier keine Ausnahme. Die Optik ist simpel, aber charmant, das titelgebende Setting abgedreht, und das Gameplay solide. Trotz verschiedener Waffen und Manöver wird das Spiel allerdings schnell eintönig, sodass man hier sicher keine langen Sitzungen einlegen wird.

8. Gate of Thunder



Das TurboGrafx-16 war ein Phänomen, dass sich hauptsächlich in Japan und Nordamerika abgespielt hat, daher bot die Virtual Console uns in der Hinsicht eine gute Gelegenheit, den einen oder anderen Titel nachzuholen. Gate of Thunder ist ein visuell schickes horizontales 2D Shmup, das optisch zuweilen an den Anime Legend of the Galactic Heroes erinnert. Der Schwierigkeitsgrad zieht wie bei vielen Genrevertretern ab dem zweiten Level rasant an, Credits sind limitiert, sodass ungeübte Spieler (wie ich) vermutlich nicht sehr viel mehr von Gate of Thunder sehen werden als die ersten Stages und das tolle animierte Intro.

7. Lords of Thunder



Lords of Thunder ist wie man vom Namen her schon erkennt die Fortsetzung von Gate of Thunder. Das Genre Shmup wird beibehalten, dafür ändert das Setting originellerweise von Sci-Fi zu Fantasy. Passend werden auch leicht RPG-artige Elemente eingefügt. So kann man zwischen den Missionen Gesundheit, Energie für Waffen und Schilde, Continues und ähnliche Hilfen einkaufen, die Stages werden über eine klassische Weltkarte angewählt. Im Kern sieht man natürlich auch hier ohne Reflexe schnell alt aus. Doch der hämmernde Heavy Metal Soundtrack lässt einen die Stages gerne immer und immer wieder versuchen.

6. Castlevania: The Adventure ReBirth



Castlevania: The Adventure ReBirth ist Teil von Konamis Rebirth Reihe, in der auch Contra und Gradius eine eher an Retrofans gerichtete Wiedergeburt erfahren haben. Kurioserweise versteht sich dieses Castlevania als Fortsetzung der beiden Castlevania Adventure Ableger für den Game Boy. Das äußert sich hauptsächlich an der Wiederkehr einiger typischer Gegner wie der riesigen rollenden Augen. Ansonsten ist die Steuerung im Vergleich zu den Vorgängern zum Glück wesentlich flüssiger, und auch technisch hat man eine schöne Interpretation eines modernen "16-Bit" Spiels umgesetzt. Das Gameplay ist dank fairem Schwierigkeitsgrad und verschiedener Pfade überzeugend. Einziges Manko ist, dass man nicht speichern kann und das Spiel in einem Stück durchbekommen muss, obwohl selbst der Vorgänger Castlevania II: Belmont's Revenge Passwörter geboten hat! Trotzdem bleibt das bis dato letzte klassische Castlevania eine Empfehlung für Fans der Serie.

5. Final Fantasy II



Vom ursprünglich nicht für europäische Super Nintendo Konsolen veröffentlichten Final Fantasy IV gibt es mittlerweile zahlreiche Portierungen und Remakes. Den Charme der 16-Bit Grafik und des auf dem SNES Soundchip laufenden Soundtracks fängt jedoch keine dieser Versionen ein, daher ist die Wii Virtual Console Version für Europäer durchaus attraktiv. Trotz (oder gerade wegen) seiner Schlichtheit, was Story und Gameplay anbelangt, macht dieses frühe 16-Bit Rollenspiel auch heutzutage noch Spaß. Ärgerlich nur, dass es sich um die zensierte Variante handelt und man darüber hinaus mit der ziemlich miesen englischen Übersetzung vorlieb nehmen muss.

4. M.U.S.H.A.



Das vertikale Shmup M.U.S.H.A. gehört zu den teuersten Sega Mega Drive Modulen, daher bot die Virtual Console der Wii hier eine mehr als günstige Alternative. Es gilt zu Recht als einer der besten 16-Bit Shooter. Das Gameplay ist fordernd, aber fair, die Grafik war seiner Zeit voraus und kann selbst heute noch mit Effekten beeindrucken, zudem ist das Setting, in dem das Alte Japan mit Science Fiction vermischt wird, weiterhin einzigartig. Besonders erfreulich ist, dass man jederzeit von der letzten Stage, die man erreicht hat, weiterspielen kann, also nicht ständig komplett von vorne beginnen muss, wenn man keine Credits mehr hat.

3. Castlevania: Rondo of Blood



Rondo of Blood stellt aufgrund seiner Qualität so etwas wie den heiligen Gral für viele Castlevania Fans dar, und ist im Original auch vergleichbar schwer zu finden. Das TurboGrafx-16 verleiht dem Spiel ein visuelles und akustisches Niveau, von dem alle anderen klassisch orientierten Titel der Reihe nur träumen können. Als direktes Prequel zu Symphony of the Night und mit seinen verzweigten Levels stellt es zudem so etwas wie eine Brücke zwischen den actionlastigen alten und den von Metroid beeinflussten neueren Teilen der Reihe dar. Der faire, aber zuweilen doch sehr knackige Schwierigkeitsgrad zwingt einen leider doch immer öfter zu kleineren Verschnaufpausen, in denen man das Spiel im Interesse der Unversehrtheit des heimischen Fernsehers besser nicht anrühren sollte.

2. Final Fantasy III



Der legendäre Ruf des nur in Japan und den USA veröffentlichten sechsten beziehungsweise dritten Final Fantasy Teils wurde durch die Popularität seines PlayStation Nachfolgers nur größer. Ähnlich groß war der Verdruss bei vielen europäischen Fans darüber, dass man den Titel importieren musste und selbst dann nur unter großem Aufwand abspielen konnte: Auf PAL-Geräten funktionierte das nur mit einem bestimmten Adapter, und selbst das nur wenn man einige Bugs tolerieren konnte. Ideal lief es eigentlich nur wenn man sich eine komplette US-Konsole anschaffte. So war lange Zeit nur die von Ladezeiten geplagte PlayStation Version oder die technisch schwächere Gameboy Advance Fassung bequem zugänglich. Das änderte sich endlich 2011 mit dem Virtual Console Release von Final Fantasy III, mit dem man die auch heute noch fantastische Geschichte, Musik und Optik in seiner ursprünglichen Form genießen konnte. Wer das Spiel noch nicht kennt sollte sich allerdings auch auf einiges an Charaktermanagement und zahlreiche Zufallskämpfe einstellen.

1. Chrono Trigger



Das Zeitreise Abenteuer Chrono Trigger, das in Zusammenarbeit der Macher von Final Fantasy und Dragon Quest entstand, zählt auch heute noch zu den schönsten 16-Bit Rollenspielen aller Zeiten. Optisch wird das letzte aus Nintendos 16-Bit Kiste geholt, der Soundtrack von Yasunori Mitsuda kann sich durch seine Vielschichtigkeit immer noch mit modernen Werken messen, und da Zufallskämpfe gestrichen wurden lässt sich das Rollenspiel trotz seines Alters nach wie vor gut spielen. Dank clever umgesetzter New Game Plus Option, bei der man in verkürzten Neuanläufen verschiedene Enden freischalten kann, ist zudem ein hoher Wiederspielwert gegeben. Mittlerweile gibt es auch eine gute Fassung für den Nintendo DS, die wesentlich besser ist als die technisch eher schlecht umgesetzten Portierungen für PlayStation, Handy und PC. Doch am heimischen Bildschirm zockt man Chrono Trigger am besten auf der Wii!

22. März 2018

Shining in the Darkness

Die westliche Version - Disney lässt grüßen.

Die Shining Reihe war vor allem in den 90ern ein beliebter Lieferant von Rollenspielen, deren jeweiliges Subgenre sich gerne von Titel zu Titel änderte. Ihren Ursprung markiert der 1991 für das Sega Mega Drive veröffentlichte Dungeon Crawler Shining in the Darkness. Entsprechend dem damaligen Zeitgeist, in dem Anime-Artwork im Westen noch als uncool galt, ist die Box mit Illustrationen versehen, die aus einem Disney-Cartoon stammen könnten.

Das originale Boxart - Leider zu japanisch für 1991

Das Spiel versetzt uns in das Königreich von Thornwood, einem im Grunde idyllischen Fleckchen, wenn bloß nicht das blöde verfluchte Labyrinth gegenüber wäre. Dort ist nicht nur der Vater unseres Hauptcharakters vor langer Zeit verschwunden, kürzlich wurde zu allem Überfluss auch noch die hiesige Prinzessin dahin verschleppt. Der König sendet sofort seine Ritter aus, von denen allerdings auch keiner mehr zurückkommt. So ist es an unserem jungen Recken, in das monsterverseuchte Verlies zu ziehen, da sonst niemand mehr übrig ist, der ein Schwert gerade halten kann. Zu Beginn sind wir allein unterwegs, bald gesellen sich mit dem Priester Milo und der Magiern Pyra treue Gefährten dazu.

Das Städtchen Thornwood. Im örtlichen Schrein wird gespeichert.

Shining in the Darkness bietet klassisches Dungeon Crawling, wie es im Buche steht: Man durchkämmt das verwinkelte Labyrinth, schnetzelt sich rundenbasiert durch zufällig auftauchende Monsterhorden, und versucht, die zahlreichen Fallen zu umgehen und an wertvolle Schatztruhen zu gelangen. In der Stadt lässt sich die gefundene Beute verhökern, neue Ausrüstung kaufen und mit der hiesigen Bevölkerung schnacken. Typisch für japanische Konsolen-Rollenspiele finden wir auch hier zahlreiche Vereinfachungen gegenüber westlichen Vorbildern wie Wizardry. So sucht man Features wie Charaktererstellung, Klassenupgrades oder Fallen Entschärfung vergeblich, was Shining in the Darkness aber natürlich wesentlich zugänglicher macht.

Ins Labyrinth hat sich allerlei Ungetier eingeschlichen.

Dass das Spiel aus heutiger Sicht trotzdem eher sperrig daher kommt liegt daran, dass es in vielen Bereichen nicht gut gealtert ist: Das Navigieren im Labyrinth ist mühselig, da sich die Karte nur über verbrauchbare Gegenstände, die das begrenzte Inventar rasch sprengen, und einen Zauberspruch aufrufen lässt, und im Grunde genommen nur aufzeichnet, wo man bereits lang gelaufen ist. Man sieht allerdings weder Schatztruhen noch andere interessante Stellen, nicht einmal, wo die Wände verlaufen, sodass man kaum nachvollziehen kann, wo es weitergeht und wo nicht. Entsprechend führt kein Weg daran vorbei, sich entweder eine eigene Karte anzufertigen, oder eine fertige aus dem Netz zu ziehen.

Die Automap: Nett, aber nutzlos.

Die rundenbasierten Kämpfe gehen relativ simpel und flott vonstatten, die Rate der Zufallsbegegnungen nervt allerdings schnell. Phasenweise läuft man einen Schritt nach einem Kampf direkt in den nächsten. Ebenfalls störend ist, dass selbst das bloße Umdrehen bereits Gegner herbeilocken kann. Wenig Spaß macht auch das Einkaufen in der Stadt. Während die allgemeine Menüführung im Spiel dank intuitiven Icon-System recht angenehm ist, fehlen bei den Händlern Informationen darüber, welcher Gegenstand welchen Effekt hat und von wem getragen werden kann. Die grundlegende Ausrüstung ist immerhin in der Anleitung beschrieben, für alles andere muss man entweder online nachsehen oder nach dem Versuch-Irrtum Schema vorgehen. Zwar gibt es einen Zauberspruch, der nähere Informationen über Gegenstände anzeigt, allerdings funktioniert er nur, wenn man das entsprechende Objekt bereits in den Händen halt.

In unangenehmer Gesellschaft.

Zusammengenommen trüben all diese Wehwehchen den Spielspaß enorm, was ziemlich schade ist, da das Grundprinzip, immer weiter ins Verlies vorzudringen und seine Heldentruppe immer mächtiger werden zu lassen, im Grunde recht launig ist. Zum Glück befand sich in meiner gebraucht erworbenen Schachtel eine herausgetrennte Komplettlösung samt Karten aus der Gamers 1/1993, ohne die ich es vermutlich nie bis zum Abspann geschafft hätte.

Mein Rettungsanker: Die Lösung aus der Gamers.

Während man Shining in the Darkness ein Vierteljahrhundert nach seiner Veröffentlichung nur mit Lösung und falls möglich mit Emulator Features wie Savestates und Fast Forward gerade so spielen kann, ist seine Technik erstaunlicherweise gut gealtert. In einer Zeit, in der auf dem Super Nintendo immer noch die Futzelsprites aus der 8-Bit Ära dominierten, nutzen die Entwickler das Dungeon Crawler Genre raffiniert aus, um eine hübsche Grafik auf den Schirm zu zaubern. Durch das Verlies bewegen wir uns in Ego-Perspektive, was dank verblüffendem Pseudo-3D Effekt glaubhaft rüberkommt. Jeder Schritt lässt den Korridor butterweich näherkommen, und selbst wenn man sich umdreht wird einem die Räumlichkeit des Geschehens gekonnt vorgegaukelt. Einziges Zugeständnis ist das verkleinerte Bild, das zur Darstellung verwendet wird, vermutlich aus Gründen der Performance. Detaillierte Gegner-Sprites sind zum Glück trotzdem noch drin.

Man weiß nie, was in einer vermeintlich harmlosen Pfütze lauert.

In der königlichen Burg und der Stadt gibt es eine Art Panorama Ansicht, in der man Charaktere und Gebäude durch horizontales Scrollen ins Sichtfeld bewegt und ansprechen beziehungsweise betreten kann. Auch diese Darstellung ermöglicht mehr Feinheiten bei den Hintergründen und größere Sprites als die damals übliche Vogelperspektive. Die liebevoll gestaltete Optik von Shining in the Darkness ist auch nach all den Jahren sehenswert und hilft enorm dabei, den Spieler im Mikrokosmos von Thornwood versinken zu lassen. Abgerundet wird die Präsentation vom Soundtrack, der die für alte Sega Abenteuerspiele typische Atmosphäre aufkommen lässt.

Mutige Helden sind auch ein lukratives Geschäft.

Shining in the Darkness ist historisch gesehen vor allem als erster Teil der Shining Reihe interessant, daneben auch als eines der frühen Exemplare der 16-Bit Konsolen-Rollenspiele. Wer sich heute noch mal ans Spiel ranwagt, bekommt eine für 1991 erstaunlich gute Grafik mit schönem Sound geboten, die der charmanten Spielwelt mehr als gerecht wird. Das Gameplay hingegen ist schlecht gealtert und erzeugt teilweise mehr Arbeit als Spielspaß. Doch unter all den Widrigkeiten strahlt Shining in the Darkness eine 16-Bit Magie aus, die man sich vielleicht als Retrointeressierter nicht entgehen lassen will.