22. April 2018

Das Gasthaus macht dicht

Binary Scroll wird Mitte Mai seine Pforten schließen, da ich in Zukunft keine eigene Webseite mehr betreiben möchte. Der ausschlaggebenden Grund dafür ist die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die im nächsten Monat gültig werden soll. Um ein Mindestmaß an Rechtssicherheit zu erlangen, müsste dieser Blog nochmal gründlich überholt werden, um den neuen Richtlinien gerecht zu werden. In meinem Fall bedeutet das keinen geringen Zeitaufwand, da man auf Blogspot nur wenig Kontrolle über seinen Webauftritt hat, und Google sich scheinbar mehr darauf konzentriert, seine kostenpflichtigen Dienste DSGVO-konform zu machen.

Es sieht stark danach aus, dass man eher auf Wordpress setzen sollte, idealerweise selbst gehostet, da man sich dort sichtlich bemüht, DSGVO gerechte Lösungen zu erarbeiten. Noch besser wäre vermutlich ein per Static Site Generator erstellter Blog. Allerdings kommt ein weiterer Umbau oder Umzug für mich einfach nicht mehr in Frage. Und das nicht nur, weil mir aktuell die Zeit fehlt, rechtzeitig einen Relaunch auf die Beine zu stellen. Wenn ich auf die Geschichte dieses Blogs zurückblicke, fällt mir auf, dass ich im Verhältnis zum Verfassen von Texten gefühlt zu viel an den entsprechenden Webseiten geschraubt habe. Allerdings macht mir eigentlich gerade das Schreiben von Artikeln Spaß, während das Bereitstellen einer Onlineplattform dafür eigentlich immer nur ein notwendiges Übel war.


Aus diesem Grund wurden meine Ansätze auch immer minimalistischer, damit ich mich besser auf die Inhalte konzentrieren konnte. Aus einer Anfang der 2000er von Hand gepflegten statischen HTML Seite wurde letztes Jahr schließlich ein Standardblog von Google, den ich an einem Nachmittag zusammenschustern konnte. Doch spätestens mit der DSGVO ist die Zeit solcher schnell und dreckig angelegter Blogs scheinbar vorbei. Als Webseitenbetreiber muss man sich in Zukunft wohl oder übel die Zeit nehmen, sich mit der rechtlichen Situation auseinanderzusetzen, und sämtliche Anforderungen ins Design einfließen zu lassen. Und das nicht nur einmalig bis zum 25. Mai: Man wird sich in der Hinsicht auch ständig auf dem Laufenden halten müssen. Das alles wohlgemerkt aus gutem Grund! Nur bin ich als Minimalist dabei einfach raus.

Wie geht es nun demnächst weiter? Ich werde mich auf jeden Fall weiter auf Twitter herumtreiben. Mein Tumblr Account bleibt auch noch online, aber voraussichtlich eher als Archiv, da ich nicht mehr so recht etwas damit anzufangen weiß seit ich aufgehört habe, es als primären Blog zu betreiben. Diese Seite wird in der Woche bevor das neue Datenschutzgesetz in Kraft tritt vom Netz genommen. Solltet ihr auf euren Webauftritten noch Links hierher haben, solltet ihr sie daher bald rausnehmen. Für längere Texte werde ich mich in Zukunft nach alternativen Kanälen umsehen müssen, auf denen man als Gastredakteur veröffentlichen kann. Solltet ihr einen Blog kennen oder haben, für den eine Neuauflage des einen oder anderen Textes von hier interessant sein könnte, meldet euch! Wäre ja schade, wenn meine Backlog KlageliederClick-Bait Listen, Retro News und Reviews einfach so verschwinden würden, oder?

Man liest sich!

3. April 2018

Gaming Backlog schonender Einkaufsführer

Viele, die ihre Leidenschaft für Videospiele von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter retten konnten, haben mittlerweile vermutlich einen großen Stapel an Videospielen angehäuft, der immer weiter wächst, anstatt zu schrumpfen. Der Grund ist recht simpel: Man kauft mehr Spiele als man durchzockt. Die Lösung ist natürlich, dieses Verhältnis umzudrehen. Doch so einfach gestaltet sich das in der Praxis oft nicht, immerhin reden wir hier von einer Leidenschaft, die sich nicht immer zähmen lässt. Daher habe ich aus meiner Erfahrung heraus eine mehrteilige Liste von Tipps und Herangehensweisen zusammengestellt, die hoffentlich dem einen oder anderen helfen, den eigenen Gaming Backlog langsam, aber sicher zum Schmelzen zu bringen.

Beginnen wir zuerst damit, das Wachstum des Spielestapels zu drosseln: Dank eigenem Einkommen und moderner Phänomene wie digitaler Sales haben viele von euch vermutlich einen regelmäßigen Zufluss an Spielen. Für den Backlog bedeutet das nicht nur, dass die Zeit verlängert wird, die man braucht, um ihn komplett abzuarbeiten, sondern auch, dass das Risiko erhöht wird, sich Titel einzuhandeln, die man vielleicht gar nicht durchspielen kann oder will. Jeder Einkauf sollte daher wohlüberlegt sein. Nachfolgend findet ihr eine Reihe von Fragen, die man sich beantworten sollte, bevor die Brieftasche gezückt wird:

Warum möchte ich das Spiel kaufen?


Diese erste simple Frage sollte eine ebenso simple Antwort haben: "Weil man genau das spielen möchte". Der Grund "weil es gerade billig ist" mag in Kombination auch valide erscheinen, ist jedoch für sich allein genommen mit Vorsicht zu genießen. Gerade digitale Sales oder Restposten verführen zu Masseneinkäufen, die dann doch nur im (virtuellen) Regal verstauben, eben weil der Preis und nicht das Produkt selbst ausschlaggebend war. Dagegen kann helfen, sich vor Augen zu führen, dass einem gerade digitale Spiele so schnell nicht weglaufen (es sei denn natürlich, der entsprechende Store macht dicht), und Rabatte in regelmäßigen Abständen wieder auftauchen. Mit etwas Erfahrung lässt sich auch abschätzen, bei welcher Art von Spielen das der Fall ist. So bekommt man bei Steam oder dem PlayStation Store viele Titel immer mal wieder mit Nachlass angeboten, während ich bei Nintendo bei raren Sales von EarthBound und Project Zero: Priesterin des Schwarzen Wassers zuschlagen musste. Ein weiterer nützlicher Tipp, den ich von Minimalisten aufgeschnappt habe, ist sich bei reduzierten Spielen zu fragen, ob sie einem auch den dreifachen Preis wert wären oder nicht.

Bei physischen Versionen kann das etwas kniffliger sein, da sie zumindest als Neuware nur eine begrenzte Zeit im Umlauf sind. Je nischenhafter ein Spiel, desto kleiner ist dieses Zeitfenster. Entsprechend fühlt man sich oft im Zugzwang, sich ein Exemplar zu sichern, solange es noch geht, unabhängig davon, ob man gerade Lust und Zeit hat, es auch zu spielen. Man kauft also, "da man das Spiel später vielleicht nicht mehr bekommt". Wer sich mehr für gebrauchte Spiele interessiert, was gerade bei Retrogamern der Fall ist, kann das Ticken der Uhr auch kaum ignorieren, da die Preise hier schon seit gut einer Dekade eine steigende Tendenz aufweisen.

Hier wird es sich also kaum vermeiden lassen, Einkäufe aus Zugzwang oder einer günstigen Gelegenheit heraus zu tätigen. Trotzdem gibt es auch hier Maßnahmen, um das Ganze etwas einzudämmen: Neue AAA Titel sind oft lange und in hoher Auflage verfügbar, also muss man dafür nicht gleich am Tag der Veröffentlichung die Läden stürmen. Bei Retro Spielen kann man den Umstand ausnutzen, dass sie einer vergangenen Ära angehören. Da neue Spiele für klassische Systeme eher selten erscheinen, hat man zumindest eine Chance, alle heute noch für einen relevanten Spiele zusammenzustellen und "abzuarbeiten". Dazu kommt noch, dass man regelmäßig auf Chancen warten muss, um sich Exemplare auf Auktionen oder bei Flohmarktbesuchen zu sichern. Je nach Vorliebe kann es auch gut sein, dass man sich zwischendrin erst finanziell erholen muss, bevor das nächste Spiel in Originalverpackung beschafft werden kann.

Zuletzt noch ein nicht besonders schöner "Grund", den ich in der Vergangenheit auch ab und an hatte: "Aus Frustration". Sich reihenweise Spiele zu besorgen, um eine Leere in sich zu füllen, ist nicht nur schlecht für den eigenen Backlog, sondern auch ein deutliches Warnsignal an einen selbst. Spätestens hier sollte man sich Gedanken machen, was eigentlich mit einem los ist, und Gegenmaßnahmen ergreifen. Wie man über schwere Phasen in seinem Leben kommt würde den Rahmen dieses Artikels leider sprengen. Frustkäufe sind jedenfalls kein adäquates Mittel dagegen, und stellen auch selten gute Anschaffungen dar.

Entspricht das Spiel meinem Geschmack?


Für manche ist das vielleicht eine seltsame Frage, die keine Relevanz hat. Ich persönlich habe es allerdings oft erlebt, dass ich mich von bestimmten Hypes mitreißen ließ, und dann auf Spielen sitzen blieb, die eigentlich nicht meinen Gewohnheiten entsprechen. Habt ihr vielleicht mehrere Horrorspiele, die ihr nach einer Stunde aus Angst nicht mehr anrührt? Souls artige Vertreter, bei denen ihr beim zweiten Boss nicht weiterkommt? Rollenspiele, die regelmäßig in der Hälfte der Zeit aus Motivationsmangel abgebrochen werden? Bevor ihr euch ein weiteres Game in der Richtung zulegt solltet ihr vielleicht nochmal in euch gehen und genau überlegen, ob das wirklich euer Ding ist, oder was dieser neue Titel hat, das den anderen von eurem Backlog fehlt. Im Zweifel investiert ihr euer Geld und eure Zeit doch besser in ein Spiel innerhalb eurer persönlichen Komfortzone.

Brauche ich (noch) so ein Spiel?


Gerade wenn man eine große Sammlung sein Eigen nennt ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man zu jedem beliebigen neuen Spiel eventuell bereits zig ähnliche Titel im Besitz hat. Vergleicht das verfügbare Angebot immer mit dem, das euch euer Backlog bieten kann. Eventuell pickt ihr doch eher etwas aus dem Stapel, als ihn durch redundante Spiele zu erweitern.

Mein absolut notwendiger Vorrat an offenen PlayStation 2 Rollenspielen.

Ist das Spiel relevant für mich?


Videospiele gibt es inzwischen wie Sand am Meer, viele davon sind passabel oder gut, doch recht wenige stellen wahre Meisterwerke dar. Da eure Zeit begrenzt ist wollt ihr diese natürlich idealerweise in Titel stecken, die bei euch den größten Eindruck hinterlassen. Und da kann man ruhig kritisch und wählerisch sein. Lasst auch mal Veröffentlichungen an euch vorbeiziehen. Ihr werdet wohl kaum jemals in die Lage geraten, plötzlich nichts mehr zum Zocken zu haben. Egal ob es sich um den xten Aufguss einer bekannten Formel, einen neuen Teil einer Reihe, die ihren Zenit schon längst überschritten hat oder ein Spiel mit geringen, aber spürbaren Mängeln handelt: Hebt eure Ressourcen lieber für etwas Bedeutsameres auf, oder holt einen der Klassiker nach, die irgendwo tief in eurer Sammlung begraben sind.

Wird mich das Spiel überzeugen?


Spiele können einen oft schon begeistern, nachdem man nur einen Trailer, Screenshots oder ein paar Zeilen irgendwo darüber gehört oder gelesen hat. Doch bevor man dem Kaufimpuls nachgibt, sollte man weiter recherchieren und sich ein differenzierteres Bild machen. Wenn es die Möglichkeit gibt, das Spiel vorher in irgendeiner Form probeweise anzuzocken, solltet ihr sie nutzen. Schaut euch sowohl positive als auch negative Testberichte an. Können euch Aspekte, die oft gelobt werden, auch in Euphorie versetzen? Könntet ihr mit genannten Kritikpunkten leben oder würden sie potenziell ausreichen, um euch das Erlebnis zu vermiesen? Ebenfalls empfehlenswert sind Let's Plays und Gameplay Videos. Bekommt ihr innerhalb einer halben Stunde beim "über die Schulter gucken" selbst Lust, Hand an den Controller zu legen? Für mich hat es sich oft gelohnt, mir die Zeit für diese Dinge zu nehmen. Nicht selten folgte auf einen initialen Hype eine Ernüchterung, die mich dann doch noch vom Kauf abgehalten hat. Auf der anderen Seite habe ich auch schon viele böse Überraschungen bei Spontankäufen erlebt.

Wann werde ich es (durch)spielen?


Die beste Antwort hier ist: "Direkt nachdem es gekauft wurde". Auch noch in Ordnung sind "es wird neben dem anderen Spiel angefangen, das gerade noch am Laufen ist" oder "nachdem das aktuelle Spiel, das fast schon durch ist, fertig ist". Problematischer ist es, wenn der angepeilte Zeitpunkt weit in der Zukunft liegt. Etwa, weil man vorher noch zehn andere Spiele durchbekommen will. Oder weil man momentan eigentlich gar keine Lust auf diese Art von Spiel hat und erst warten müsste, bis man wieder in Stimmung für so etwas ist. Die Antwort kann auch "niemals" lauten, wenn bekannt ist, dass einem das Spiel eigentlich zu herausfordernd ist (zocken kann man es natürlich trotzdem, wenn auch vermutlich nicht ganz bis zum Ende). In jedem Fall sollte man sich vorher Gedanken machen, wann man das Spiel voraussichtlich abhaken könnte. Auch das kann eventuell von einem Kauf abhalten.